ENISA warnt: KI könnte neue Schwachstellen in nur 15 Minuten als Waffe einsetzen
Die Agentur der Europäischen Union für Cybersicherheit (ENISA) warnt, dass Frontier-KI die Zeit, die benötigt wird, um neu entdeckte Schwachstellen zu weaponisieren, auf nur 15 Minuten verkürzen könnte, wie Security Affairs schreibt.
Die Warnung stammt aus dem ENISA-Bericht Cybersecurity in the Frontier AI Era vom Juli 2026, der argumentiert, dass KI nahezu jede Phase eines Cyberangriffs beschleunigt – von der Aufklärung und Ausnutzung bis zum Datendiebstahl.
KI beschleunigt Cyberangriffe drastisch
Die ENISA gibt an, dass die mittlere Zeit zwischen einer anfänglichen Kompromittierung und dem Datendiebstahl inzwischen auf rund 72 Minuten sinken kann.
Bedenklicher ist, dass Angreifer eine neu entdeckte Schwachstelle potenziell innerhalb von 15 Minuten weaponisieren könnten.
KI-gestützte Systeme können Arbeiten automatisieren, die zuvor umfangreiche manuelle Untersuchungen und technisches Fachwissen erforderten, sodass Angreifer wesentlich schneller agieren können als herkömmliche Sicherheitsteams.
KI-Tools finden weitaus mehr Schwachstellen
Die ENISA verwies außerdem auf eine Organisation, die zuvor rund 80 CVEs pro Quartal identifiziert hatte.
Nach der Einführung von KI-Tools sei diese Zahl Berichten zufolge auf rund 500 Schwachstellen pro Tag gestiegen.
Der Anstieg zeigt, wie KI die Schwachstellenerkennung und -analyse drastisch skalieren kann, was für Unternehmen, die noch auf langsamere manuelle Prozesse setzen, eine wachsende Herausforderung darstellt.
ENISA warnt vor einer „Authority Gap“
Die ENISA beschreibt ein weiteres aufkommendes Problem als „Authority Gap“.
Der Begriff bezeichnet Situationen, in denen interne Freigabe- und Entscheidungsprozesse länger dauern, als ein automatisierter Angriff benötigt, um sich dauerhaft in einem Netzwerk festzusetzen.
Sicherheitsteams erkennen ein schwerwiegendes Problem möglicherweise schnell, aber manuelle Überprüfungs-, Freigabe- und Behebungsverfahren können sie daran hindern, mit derselben Geschwindigkeit zu reagieren wie KI-gestützte Angreifer.
Das könnte herkömmliche Arbeitsabläufe im Schwachstellenmanagement zunehmend wirkungslos machen.
ENISA will, dass Unternehmen die Behebung automatisieren
Die ENISA empfiehlt, Ressourcen von der reinen Suche nach weiteren Schwachstellen hin zu schnellerer Priorisierung und Behebung zu verlagern.
Unternehmen können automatisierte Triage-Systeme wie das Exploit Prediction Scoring System (EPSS) und Vulnerability Exploitability Exchange (VEX) nutzen, um zu ermitteln, welche Schwachstellen die schnellste Reaktion erfordern.
Die ENISA empfiehlt außerdem, genaue Asset-Inventare zu pflegen, damit Sicherheitsteams kritische Systeme sofort priorisieren können.
Die Agentur erklärt, dass Unternehmen Erkennungs- und Reaktionszeiten im einstelligen Minutenbereich anstreben sollten, da die Automatisierung von Angriffen weiter voranschreitet.
KI kann Verteidigern außerdem helfen, Schwachstellen in großem Umfang zu beheben. Die Patch-Tuesday-Updates von Microsoft vom September 2026 beispielsweise schlossen 966 Schwachstellen.
Einige Schwachstellen können diese Sicherheitsverbesserungen jedoch weiterhin umgehen. Die kürzlich offengelegte Schwachstelle ShieldCrash zeigte, dass selbst vollständig aktualisierte Windows-Systeme weiterhin angreifbar sein können.
Die Warnung der ENISA legt nahe, dass Unternehmen ihr Schwachstellenmanagement möglicherweise grundlegend überdenken müssen, da KI die Angriffszeitspannen weiterhin von Tagen oder Stunden auf Minuten verkürzt.
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